Wo das Gras grüner ist…

… oder: Warum ich manche Aufträge lieber nicht mache.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Ich helfe wirklich gerne! Wenn ich einen Mitarbeiter auf eine gute neue Stelle gebracht habe und ihm die Arbeit dort Spaß macht, freue ich mich auch sehr darüber. Wenn der Kunde ebenfalls zufrieden ist, habe ich meine Arbeit gut gemacht. Ich sehe mich selbst an dieser Stelle als Moderator und “Ermöglicher”: Ich bringe Mitarbeiter oft an den Stellen unter, an die sie bisher selbst nicht gedacht haben. Oder zu denen sie immer schon wollten, aber keinen geeigneten Zugang gefunden haben. Meine eigene Motivation ist der Gedanke, helfen zu können.

Dann gibt es aber auch die Kandidaten, bei denen man von Anfang an spürt, dass sie eigentlich gar nicht wechseln wollen, weil es Ihnen an der aktuellen Stelle nicht gut geht. Sie wollen entweder ihren Marktwert bestimmen, um bei ihrem aktuellen Arbeitgeber neue Forderungen zu stellen. Das kann ich ja sogar noch nachvollziehen. Oder aber sie wollen von einem guten Job in einen besseren wechseln, nach dem Motto: Da kann man vielleicht noch etwas mehr herausholen. Am häufigsten findet man diese Kandidaten auf XING, weswegen ich dort die Motivation stärker hinterfrage als bei der Arbeitsagentur.

Suche nach der Motivation, oder: Wo das Gras grüner ist.
welches Gras wirklich grüner ist, hängt manchmal auch nur von der Perspektive ab.

An dieser Stelle habe ich für mich selbst moralische Bedenken: Wenn ich mit diesen Kandidaten zu meinen Kunden gehe, die oftmals auf langfristige Zusammenarbeit angewiesen sind, wie lange werden diese Kandidaten dort bleiben? Lassen sie sich schnell wieder abwerben? Was sagt es über einen Menschen aus, wenn er seine Stelle deshalb wechselt, wenn er dafür nur ein paar Euro mehr in der Tasche hat? Kann man von ihm eine gewisse Unternehmensloyalität oder gar Verbindlichkeit erwarten?

legitime Motivation

Ich für meinen Teil muss ganz klar sagen: Wenn ich einen solchen Kandidaten gefunden habe, stelle ich ihn nicht beim Kunden vor. Meine Arbeitsweise ist auf Langfristigkeit ausgelegt, sowohl im Umgang mit dem Kunden als auch im Umgang mit Kandidaten. Wenn ich selbst schon Bedenken über die Langfristigkeit einer Zusammenarbeit habe, will ich den Kunden damit gar nicht behelligen.

Ich konzentriere mich auf Kandidaten, die ein ernstzunehmendes Anliegen haben, warum sie den Arbeitgeber wechseln wollen. Als Personalberater arbeite ich mit Menschen, die aktuell in keiner Beschäftigung stehen oder die kurz vor der Kündigung stehen. Kandidaten in befristeten Arbeitsverhältnissen oder in Arbeitnehmerüberlassung gebe ich gerne die Chance, eine langfristige Perspektive durch eine neue Stelle zu bekommen.

Bei allen Bewerbungen, die ich bekomme, suche ich zunächst nach der Motivation: Warum will der Kandidat wirklich wechseln.

von Kunden und Kunden

Umgekehrt trage ich aber auch eine Verantwortung für meine Kandidaten: Es gibt einige Unternehmen, für die ich keine Mitarbeiter mehr gewinnen möchte, da ich weiß, wie die Unternehmensphilosophie gelebt wird. Ich besetze keine Positionen, auf denen es schon mehrere Mitarbeiter gab, die es alle nicht geschafft haben. Ich beschaffe keine Lückenfüller mit dem Argument der Langfristigkeit. Wenn eine Position nur für eine begrenzte Zeit zur Verfügung steht, dann muss ich das wissen und auch meinen Kandidaten sagen. Auch hier ist Kommunikation in alle Richtungen sehr wichtig, und wenn ich merke, dass ein Kunde mit mir nicht kommuniziert, dann bekommt er keine Kandidaten von mir.

Um sicherstellen zu können, ob der neue Mitarbeiter auch auf Dauer zufrieden sein wird im Unternehmen des Kunden, bleibe ich in lockerem Kontakt mit den ehemaligen Kandidaten. So kann ich zum Beispiel bei Unstimmigkeiten und Missverständnissen moderierend eingreifen. Dabei gewinne ich auch einen besseren Eindruck vom Kunden, den ich dann einem neuen Kandidaten mitgeben kann. Nebenbei spare ich dem Kunden so Zeit, in dem ich Kandidaten noch besser einschätzen kann, ob sie zum Unternehmen passen.

Und dann noch die eigenen Überlegungen

Wenn ich von Anfang an Zweifel habe, dass ein Kandidat auf Dauer bei einem Kunden zufrieden sein kann, stelle ich ihn ebenfalls nicht vor. Sicher, einen neuen Job zu finden ist für viele Leute eine sehr hohe Priorität – vor allem aus der Arbeitslosigkeit heraus. Aber wenn der Kandidat zum Beispiel viel zu hoch qualifiziert ist für eine Stelle habe ich doch Bedenken, dass das auf Dauer gut gehen wird. Oder bei deutlichen Einschnitten im Gehalt im Vergleich zu vorher. Oder bei sehr langen Fahrtstrecken, um nur ein paar Punkte zu nennen.

Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit ist meine Methode. Ich möchte, dass alle Beteiligten mit der Vermittlung zufrieden sind, und das möglichst auf Dauer! Aus meiner Sicht gehört dazu eine realistische Bestimmung der individuellen Positionen und Interessen. Danach treffe ich die Entscheidung, einen Auftrag zu machen oder auch nicht. Sicher geht es mir auch darum, Geld zu verdienen. Aber in allererster Linie möchte ich – wie eingangs schon erwähnt – einfach nur helfen!

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